Megadeth & Decapitated @ Halle 622

Vor nicht allzulanger Zeit spielte Metallica im ausverkauften Letzigrund Stadion, heuer warten wir auf den Godfather of Thrash höchstpersönlich. 

Die Karrieren der ehemaligen Weggefährten hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können, sowohl ökonomisch wie kreativ. Wo die einen Potential offenbarten, hinkte der/die jeweils andere/n deutlich nach und umgekehrt. Dave Mustaine seinerseits blickt auf eine siebzehn Studioalben reiche Vergangenheit zurück, Megadeth erschien im Januar 2026. Nebenbei liess der Maestro verlauten, dass es sich mit höchstmöglicher Garantie um das letzte Werk handle. Danach beabsichtige er, sich anderen Projekten zu widmen. Im Moment jedoch begeht er seine Abschiedstournee, die lockere zwei bis drei Jahre dauern soll. Für einen, den die Gicht plagt, schon mal nicht schlecht.

Vor der Halle 622 sammeln sich Menschen durchmischten Alters, tanken den letzten Rest Sonnenlicht, rauchen Nikotin und/oder diskutieren das Naheliegende. Ein paar Foodtruxks versorgen direkt von der Arbeit Gekommene mit Grundnahrung, wobei diese sorgsam darauf achten, ihr Bandshirt (der zumeist klassischen Sorte) nicht mit Sauce zu besudeln.

Als Opener stehen DECAPITATED auf dem Programm, jene Technical Death Truppe aus Polen, die manchen seit den späten Neunzigern ein Begriff sein werden. Wacław Kiełtyka und Kollegium liefern denn ein brachiales, mit chirurgischer Präzision ausgeführtes Set, welches letzte Anhängsel von Alltagsgedanken nachhaltig aus der Birne pustet. Wer im Übrigen daran zweifelte, angereistes Thrash-Publikum liesse sich nur begrenzt begeistern, sieht sich getäuscht. Wenigstens im vorderen Drittel der Halle herrscht ordentlich Bewegung, manche gar growlen herzhaft mit - oder tun gerade so.

Nach einer kurzweiligen Umbaupause eröffnen MEGADETH mit Tipping Point, was gleich mal mächtig Stimmung in die Bude bringt. Dave kommt mir bedeutend agiler vor als noch vor ein paar Tagen in Danzig (siehe Bericht), insbesondere was das Gitarrenspiel betrifft. Filigran fliegen seine Finger über die Saiten resp. hört es sich so an, denn irgendwo in der Hallenmitte feststeckend, ist der Saalmix auf der gegen unten offenen Katastrophenskala zu bewerten. Bässe kriechen bestenfalls wummernd Boden entlang, Mitten bilden schwer erkennbare Knäuel, dafür gelangen Schlaginstrumente wie Snair und Hihats dominant ans Trommelfell. Mustaines Stimme wirkt eigentümlich dünn, was neueren Songs zugute kommt, jene aus den Neunzigern dafür quasi neu definiert. In My Darkest Hour zum Beispiel oder dem gehypten Tornado of Souls lassen Dringlichkeit des Originals vermissen, was mitunter ein Grund darstellt, dass nur wenige Stücke aus den Achtzigern zum Zuge kommen. Die Menge jedoch geht mit, skandiert, bangt und feiert den (womöglich) abtretenden Star, der Metallmusik wie kaum ein anderer mitgestaltete. 

So oder so ein denkwürdiger Abend!

Megadeth Setlist Halle 622, Zurich, Switzerland, Europe 2026


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