Ausblick aufs Meh Suff! 2026

Statistik

Stilistisch lassen sich die gelisteten Bands zu 35% im Black-Bereich verorten, 65% frönen mitunter tödlichen Metalvarianten und bei 15% thrasht das Blut in den Adern, Mehrfachzählung inbegriffen. (Sub-) Genreübergreifend führen 17% aller Bands Melodic-Varianten mit im Gepäck, wohingegen 11% sich brutalerer Ausprägungen brüsten, was bedeutet, dass du deinen Aufblashai getrost einpacken darfst. Der Ländervergleich zeigt ein ähnlich ausgewogenes Bild, wobei der CH-Anteil mit vier Bands aus unserer Sicht etwas knapp bemessen erscheint. Ein Quervergleich: Das Open Air Gränichen - obwohl schwerpunktmässig im HC-Bereich zu verorten - schafft es Jahr für Jahr, das Programm gut zur Hälfte mit einheimischen Acts zu belegen.

Sound

Swissness

Auch wenn quantitativ knapp bemessen, lässt die Qualität geladener CH-Bands wenig Wünsche offen. APOLAUSTIC spielen Melo-B'n'D der feinen Sorte, wobei es gelingt, die Tradition skandinavischer Vorbilder um eine eigene Note zu ergänzen. Romain Negro und Kollegen bieten eine raubeinige Portion Superdrive, verwoben mit technisch versiertem Melodienspiel. Ihrem Auftritt am Meh Suff! 2026 schauen wir jedenfalls mit Spannung entgegen. 

T.2.B. aus Zürich hingegen frönen episch-melodischem geradeheraus-DM, dem der Rotz genausowenig abhanden kommt. Obwohl das Trio erst seit 2024 musiziert, hat es sich den Ruf einer publikumsnahen, rhythmisch starken Livetruppe geschaffen, dazu noch wird die wachsende Fangemeinschaft regelmässig mit hochkarätigen Single-Veröffentlichungen versorgt. Auf keinen Fall verpassen!

TOTAL ANNIHILATION stehen ihrerseits seit 2006 für technisch versierten, urgewaltig nach vorne gespielten, mitunter grenzenverachtenden Thrash'n'Death der Oberklasse. Zum 20-Jahr-Jubiläum schenkten sich die Basler ihren vierten Longplayer, der granatenmässig einschlägt, dass du ihren Auftritt am Freitag eigentlich kaum erwarten kannst.

Rasant stimmungsvollen Black'n'Death Metal versprechen TYRMFAR aus dem Wallis. Dessen Stärken liegen im Gestalten naturgewaltiger Soundscapes, die orkanartig übers Land fegen. Suchst du Epiphanie, bist du hier am richtigen Ort...

Sonstness

CLASSICS zum Beispiel werden von BENEDICTION geboten. Seit den späten 80ern gehören die Briten zum Unerschütterlichsten, was die Insel in Sachen Riff-Gewalttaten zu bieten hat.

Genauso wie Mikael Stannes' DARK TRANQUILLITY, wovon du halten kannst, was du willst, ihnen zuallerletzt jedoch qualitative Zweifel absprichst. Die Pioniere des legendären „Göteborg-Sounds“ stehen seit Dekaden für die ultimative Symbiose aus Melancholie, eingängige Melodien und unnachahmliche Live-Energie.

Dasselbe erwarten wir von DEMOLITION HAMMER, die zwischen 1990 und 1994 drei ziemlich coole Alben eingespielt hatten und sich nach einem Unterbruch seither als Liveband betätigen. Die New Yorker schlagen die Brücke zwischen unverfälscht treibendem Urstunden-Thrash Metal und Death Metal. Quasi Geschichtsunterricht.

Ebenso wie DESTRUCTION, deren EP Sentence of Death anno 1984 auch der/m Letzten noch klarmachte, dass schmutziger Thrash den Weg nach Europa gefunden hatte. Seit über vier Jahrzehnten verwalten Schmier und Kollegium das Erbe grundsoliden deutschen Stahls, zudem gelten sie für jede Festivalorganisation als Vollkaskoversicherung für die ultimative Komfortzone risikofreien Bierschwenkens.

Wo wir schon beim Kredenzen sind: Betreten die finnischen Folk-Metal-Könige von KORPIKLAANI die Bühne, verwandelt sich der verdorrte Festivalrasen augenblicklich in einen ausgelassenen Tanz- und Saufboden - vollgepackt mit Geige, Akkordeon und Unmengen an eingängigen Hymnen (bei bester Partylaune). Wohl keine andere Kapelle könnte dem Namen «Meh Suff!» mehr Ehre machen.

Bezüglich SCHWARZMETALL verweisen wir erstens auf GROZA, die sich von Album zu Album stetig in eine eigene Richtung entwickeln, dazu noch als Live-Garant gelten. Die düstere Ästhetik ihres atmosphärisch melodischen Black Metals passt perfekt zu (hoffentlich) später Meh Suff!-Stunde.

Dasselbe gilt für DÖDSRITs wilde Symbiose aus Crust und Black Metal, welche eine schmerzhaft schöne, hochemotionale Klangwand ergibt, die dich umhüllt wie sündhaft teurer Nerz. Wenn denn eine Band das Line-up verziert, die das Prädikat "Must-See" bedingungslos verdient, sind garantiert sie es - auch wenn Puristinnen und Puristen derweil lieber das Bierzelt aufsuchen.

Jene freuen sich dafür umso mehr auf Per Ola Arne Gustafsson (aka Hellbutcher) plus hochkarätiges Kollegium. HELLBUTCHER verwalten quasi Nifelheims Erbe, wobei sie den Feldzug des wahren, nietenbesetzten Black'n'Thrash unerbittlich fortsetzen gleich dreckiger 80er-Metal mit geilen Riffs, (kaugummifreier) Attitüde plus Leder und Spikes (denen du im Übrigen nicht zu nahe kommen willst).

Per Stichwort Nachlassverwaltung gelangen wir zu LUCIFER'S CHILD, denen es überlassen bleibt, hellenisches Purgatorium zu entfachen. Die Band um Gründer George Emmanuel (ex-Rotting Christ) versprüht den Vibe okkult-hymnischen, tiefschwarzen Black Metals. Dichte Riff-Wände, rituelle Rhythmen und eine düstere Aura machen deren Auftritte zu einem echten Highlight für Anhänger mediterranen Stahls. Last (but not least?) wurde auch an Massenkompatibilität gedacht.

SAOR entführen in die raue, erhabene Natur der schottischen Highlands. Ihr atmosphärischer Folk-Black Metal lebt von epischen Melodien, traditioneller Instrumentierung und einer t(r)iefen emotionalen Note – ein Sound, der (fast) jedem irgendwie gefallen dürfte.

Auch die TODESKISTE hält so das eine oder andere bereit. BRYMIR aus Finnland zum Beispiel stellen zumindest eine echte Neuheit am Meh Suff! dar. Gespielt wird sinfonischer Melodic Death Metal mit epischen Orchestrierungen, halsbrecherischen Gitarrensoli und mitreissenden Refrains. Wer auf temporeichen, hochgradig melodischen Sound mit ordentlich Bombast steht, wird hier bestens bedient.

Sollte die Sonne auf dem Hüttikerberg hingegen dann doch mal irgendwie zu hell scheinen, hält Tuomas Saukkonen die passende Dosis finnische Schlechtwetter-Laune parat. WOLFHEART bieten das volle Klischee-Programm: Schwere Melo-Death-Riffs, melancholisches Zupf-Gitarren-Geplänkel und jede Menge einkalkulierte Frost-Atmosphäre, was zwar mässig originell daherkommt, vielen aber gefallen mag. Dann müssen wir heuer natürlich auch auf gepflegte Pig-Squeals nicht verzichten.

Mit HURAKAN schickt die französische Republik einen modernen Schwergewichts-Garant ins Rennen, musikalisch ein Gewurstel aus Brutal Death Metal und Deathcore, jedenfalls nichts für schwache Nerven (und Ohren).

In dieselbe Ecke schlagen DEAD SQUAD, DEATH VOMIT und JASAD, die allesamt aus Indonesien anreisen und alleweil ein Ohr wert sind.

FAZIT? 

Unterm Strich präsentieren die Organisatoren von Meh Suff! ein ausgewogenes, gut durchmischtes Programm, welches den Erwartungen vieler entsprechen mag. Gesetzt wird auf sichere Werte, auf Experimente hingegen verzichtet. So oder so freuen wir uns auf stets zwei Gutelaunetage mit Tiefblick (wohin auch immer) am Rande des Kantons!


Text: P. Weber & C. Sturzenegger


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