Rückblick aufs Baden in Blut Festival 2026
Man lernt ja bekanntlich aus der Vergangenheit. Nach den endlosen Fussmärschen und dem doch eher unangenehmen Hotel-Aufenthalt des letzten Jahres stand fest: Ein Quartierwechsel muss her. Statt im Carat-Hotel schlugen wir unser Camp dieses Mal im Central Hotel in Weil am Rhein auf - und was sollen wir sagen? Wir waren hochzufrieden! Hier und da ein bisschen in die Jahre gekommen, aber die Zimmer waren blitzsauber, die Klimaanlage lief auf Hochtouren und das Personal war superfreundlich. Entspannte 20 Minuten Fussmarsch zum Festival-Gelände waren dann noch das Tüpfelchen auf dem i.
Da wir mit dem Auto angereist waren, wurde alles eingepackt, was die heimische Festival-Kiste hergab - vom Poncho über den Kameraponcho bis hin zu wasserdichten Schuhen und der Regenjacke war alles da. Die Wettervorhersage im Vorfeld war nämlich ein ständiges Auf und Ab gewesen, weshalb wir uns auf absolut alles eingestellt hatten. Am Ende war es dann aber doch bestes, stabiles Sommerwetter.
Sommerwetter klingt in diesem Zusammenhang wohl etwas zu schön. Die Sonne knallte unerbittlich. Auf dem Gelände angekommen, folgte sogleich das erste Déjà-vu: Man fühlt sich zu Hause. Biergarten da, an den Food-Ständen hat sich auch nicht wirklich etwas geändert, Konzertbereich - alles gleich. Die Aufteilung ist nahezu perfekt und wie immer am Baden in Blut: Man hat Platz. Viel Platz. Dein Pils, Kellerbier oder IPA bekommst du ohne langes Anstehen.
Auch die Food-Auswahl war wieder absolute Oberklasse, gerade im Vergleich zu anderen Festivals ähnlicher Grösse. Einzig den schmerzlich vermissten Ofenkartoffel-/Lachs-Stand weinen wir immer noch hinterher. Kurzum: Gewohnt supergut. Auch für deinen Festivalbändel und die Verzehrkarten musst du maximal 5 Minuten warten.
Geschuldet der extremen Trockenheit der letzten Tage und Wochen hat sich das Gelände aber doch etwas verändert: Wo man sich im Vorjahr noch auf grünem Untergrund betten konnte, war der wunderschön grüne Rasen heuer eher ein braunes, furztrockenes Etwas. Der Boden war so ausgedörrt, dass bei der extremen Hitze schon ein leichter Windstoss reichte, um einen Staubtornado auszulösen.
Freitag:
Der erste kleine Staubtornado des Wochenendes wirbelte dann die Schweizer von Magma Ocean auf. Die Truppe heimste sich den Startslot beim Blood Battle Bandcontest ein, feuerte tonnenschwere, groovige Riffs ins noch spärlich gesäte Publikum und schaffte es bravourös, die anwesenden Metalheads aus der Hitze-Trägheit zu reissen.
Mit Fateful Finality wurde der Härtegrad gleich mal ordentlich angezogen. Die deutschen Thrasher bretterten mit messerscharfen Riffs und Soli über die Bühne. Der moderne Thrash Metal animierte die ersten Mosh-Willigen zu sportlichen Höchstleistungen.
An jeder Ausgabe gibt es die eine oder andere Neuentdeckung - auf Torture Killer habe ich mich dann auch besonders gefreut. Super-rabiater Old-School-Death ohne Klimbim. Prompt entfesselte sich auch der erste Circlepit des Festivals. Den Finnen war es unter der sengenden badischen Sonne sichtlich eine Spur zu heiss. Der fleissig eingesetzte Feuerwehrschlauch half temporär zwar dem schwitzenden Publikum, aber definitiv nicht den Bands.
Einen atmosphärischen und nötigen Stilwechsel vollzogen danach Hippotraktor. Mit ihren progressiven, wuchtigen Post-Metal-Strukturen und vertrackten Rhythmen boten die Belgier einen genialen, fast schon hypnotischen Kontrast zum vorherigen Geknüppel. Was man generell festhalten muss: Die Spielfreude der Bands war durchs Band beeindruckend hoch. Jede Truppe hatte sichtlich Bock.
Zwischenfazit von der Seitenlinie zu Gaerea: Auch nach dem x-ten Versuch werde ich einfach nicht warm mit den maskierten Portugiesen. Obwohl ich mich gern in diesen atmosphärischen Black-Metal-Gefilden bewege, wirkt das theatralische Ausdruckstanz-Getue auf der Bühne schlicht viel zu aufgesetzt. Songtechnisch ist das alles top und hier und da ein bisschen „inspiriert“, aber es will irgendwie zu perfekt daherkommen. Eine gute Gelegenheit, um bei einem kühlen Kellerbier und zwei Portionen Pommes wichtige Konzertdiskussionen auszutragen.
Wie jedes Jahr durfte natürlich auch diesmal der traditionelle Los-Stand auf dem Gelände nicht fehlen. Wir haben selbstverständlich wieder fleissig Lose gekauft - und natürlich wieder hauptsächlich die Nieten gezogen. Aber: „Jedes Los gewinnt!“. Am Ende sind wir stolze Besitzer von drei CDs und einem riesigen Haufen Schleckzeug geworden. Passt zum Bier... NICHT. Weiter geht’s.
Vader ist eine Institution. Gewohnt präzise und professionell. Die Truppe wirkte in der abendlichen Resthitze jedoch seltsam routiniert. Am Ende blieb ein solider Auftritt, der sich allerdings eher nach einem handwerklichen „Müssen“ als nach einem mitreissenden Live-Erlebnis anfühlte.
Als der Freitags-Headliner Pain die Bühne betrat, war die Stimmung dann aber vollends auf dem Siedepunkt. Mastermind Peter Tägtgren bewies eindrucksvoll, dass seine Industrial-geschwängerten Party-Hymnen live eine absolute Bank sind, selbst wenn man das Material auf Platte vielleicht jahrelang nicht mehr richtig gehört hat. Bei Klassikern wie „Shut Your Mouth“ oder „Same Old Song“ gab es kein Halten mehr, während Tägtgren stilecht auf einem Alien über die Bühne ritt. Ein visuell grandioser, mitreissender und extrem kurzweiliger Headliner-Auftritt, der den ersten Festivaltag perfekt abschloss, bevor es dann wieder in Richtung Hotelbett ging.
Samstag:
Am zweiten Festivaltag machten sich die ersten Ausläufer des Vorabends bemerkbar. Die € 7.50 für das Frühstücksbuffet waren definitiv gut investiertes Geld für das Kater-Kontra-Rührei. Mehrheitlich schwarze Gestalten tummelten sich um die angenehm grosse Auswahl von warmen und kalten Speisen. Die Luftfeuchtigkeit lag gefühlt irgendwo bei 90%. Die Zeit bis zur Geländeöffnung wurde dann von den einen erst mal mit dem Nachholen von dringend benötigtem Schlaf verbracht, während die anderen die nächsten Drogeriemärkte plünderten.
Wieder auf dem Gelände angekommen, ballerten uns die Schweizer von Expellow direkt den restlichen Kater aus dem Schädel. Moderne Hardcore-Kante und massig Groove mit einer ultrasympathischen Fronterin. Wer mehr über die Band erfahren möchte: Das SRF hat dazu einen coolen Bericht veröffentlicht!
Eine äusserst positive Überraschung lieferten im Anschluss Dark Oath ab. Der epische, melodische Death Metal der Portugiesen drückte wuchtig nach vorne. Einzig ein Fünkchen mehr Stimmvarianz in den harschen Vocals würde dem ansonsten starken Gesamtbild für die Zukunft noch guttun.
Mit grosser Vorfreude erwarteten wir The Night Eternal. Auf Platte wirkte der klassische Heavy Metal zwar cool, roch aber hier und da ein bisschen nach einem Idle-Hands-Verschnitt. Nichtsdestotrotz punktet die Band mit guten, frischen Ideen und Songs, die hängenbleiben. Live war das absolut toll - ein traditionelles Gewand mit einer grandiosen Einzigartigkeit. Toller Farbtupfer im Line-up! Als wäre es nicht schon heiss genug, schossen währenddessen die Bühnen-Pyros in den Himmel, sodass das Publikum fast kollektiv den Hitzetod starb.
Szenenwechsel: die Tribüne - Neu gab es heuer zwar auch ein Weisswurstfrühstück im nahegelegenen Laguna-Freibad, das für alle mit Festival-Ticket sogar komplett kostenlos war. Wir haben unsere knapp bemessene freie Zeit abseits der Konzerte dann aber doch lieber traditionsgemäss auf der Terrasse des Restaurants Tribüne verbracht - man muss ja Prioritäten setzen. Und siehe da: Die Chefin des Hauses erinnerte sich tatsächlich noch an uns vom letzten Jahr! Zugegeben, das Essen dauerte wieder eine gefühlte Ewigkeit - eigentlich müssten wir es ja besser wissen. Durch diese ausgedehnte Wartezeit haben wir dieses Jahr leider Onslaught komplett verpasst. Schade drum! Am Ende tat das der Stimmung aber keinen Abbruch: Das Hacksteak und der Kalbsbraten waren saugut, und der gemischte Salat sorgte zumindest theoretisch für den gesunden Ausgleich. Hitzestau gab’s hier auch nicht; das kühle Lüftchen weckte bei einigen Anwesenden regelrechtes Strandfeeling und das anschliessende Aufraffen fiel entsprechend schwer.
Mit dem Abendhimmel änderte sich auch der Sound. Swallow the Sun betraten die Bühne. Die Finnen präsentierten sich gewohnt professionell und äusserst fotogen. Für uns hiess es dennoch: Flucht und Abkühlung im gemütlichen Biergarten, wo ihr schön-seichter, zutiefst melancholischer Doom-Metal zumindest aus dem Schatten heraus perfekt dahinfloss.
Das exakte Kontrastprogramm folgte prompt mit Omnium Gatherum. Die Finnen versprühten vom ersten Ton an pure Lebensfreude und zogen das gesamte Gelände in ihren Bann. Ein riesiger Circlepit rotierte durch den Staub und überall sah man lachende Gesichter.
Als Co-Headliner vor dem grossen Finale durften die Münchner Alternative-Metal-Urgesteine von den Emil Bulls ran. Stilistisch im heutigen Billing zwar ein kleiner Exot, entpuppte sich die Truppe jedoch als absoluter Stimmungsgarant... ausser bei mir. Mit knappen 20 Jährchen weniger hätte ich das schon noch gefeiert. Rettung versprach schliesslich das erste Iso-Getränk des Tages, um den Elektrolythaushalt nach Bier Nummer 9 (?) wieder halbwegs auf Kurs zu bringen.
Schliesslich senkte sich die Dunkelheit über dem Baden in Blut. Satyricon is coming! Der Headliner-Auftritt von Satyr und Frost entpuppte sich als intensive, wenn auch leicht zwiegespaltene emotionale Achterbahnfahrt. Während der ausgedehnte Mittelteil des Sets streckenweise leider etwas zäh war und vor sich hinplätscherte, riss das absolut furios inszenierte Finale („Fuel for Hatred“, „K.I.N.G.“ - you name it) alles wieder heraus. Ein akustisch mächtiger Schlusspunkt.
Sonntag
Das Erwachen folgte prompt am nächsten Morgen. Das süffige Kellerbier hatte sicherlich auch seinen Teil dazu beigetragen, aber vor allem der Festivalstaub hatte ganze Arbeit geleistet: Das Lungenvolumen fühlte sich halbiert an, und es herrschte ein kollektives, trockenes Gehuste über den Kaffeetassen. Danke, Staub!
Fazit
Unterm Strich war das Baden in Blut 2026 einmal mehr ein voller Erfolg. Ein riesengrosses Dankeschön geht raus an die Organisatoren: Bitte weiter so – GENAU SO! Als Souvenir gab es am Merchstand - der Tradition folgend - auch dieses Mal wieder ein schickes Festival-Badetuch. Heuer erstrahlt das gute Stück in sattem Grün - ganz in der Hoffnung, dass sich auch der gebeutelte Rasen bis zum nächsten Jahr wieder erholen möge. Bis dann!
Text: P. Weber
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